Mexikanischer Hochlandkärpfling

Der Zoo Berlin trug zur Rettung der Hochlandkärpflinge in Mexiko bei.

Projektinfo

  • Name des Projekts

    Goodeid Working Group

  • Tierart

    Mexikanische Hochlandkärpflinge (Goodeidae/Allodontichthys polylepis)

  • Bedrohungsstatus laut IUCN

    Wird derzeit erst gelistet

  • Einsatzort

    Mesa Central Hochebene, Mexiko

  • Größte Bedrohung durch

    Zerstörung von Lebensräumen

  • Lösungsansatz

    Erhaltungszucht und Wiederansiedlung

Bedrohungsstatus laut IUCN

Unscheinbare Raritäten

Mexikanische Hochlandkärpflinge sind die bescheidenen Verwandten der farbenfrohen Guppys. Seit 2015 leben Vielschuppenkärpflinge im Aquarium Berlin, eine der knapp 50 verschiedenen Arten von lebendgebärenden Hochlandkärpflingen. Vier Paare dieser unscheinbaren Fische kamen damals ins Aquarium. Trotz der geringen Vermehrungsquote ist die Anzahl bis Herbst 2017 bereits auf 48 Fische gewachsen - ein Drittel der gesamten Weltpopulation. Seither nimmt der Bestand weiter zu, so dass mittlerweile etliche kleine Vielschuppenkärpflinge an andere Zoologische Einrichtungen abgegeben werden konnten. Dennoch gilt diese Art der Hochlandkärpflinge als einer der seltensten Süßwasserfische überhaupt.

Zuhause in den Höhen Mexikos

Im Gegensatz zu den meisten Fischarten bringen Hochlandkärpflinge ihren Nachwuchs lebend zur Welt. Ihre wenigen Jungtiere sind mit nabelschnurähnlichen Organen mit der Mutter verbunden. Ihr natürlicher Lebensraum liegt in den Flüssen und stehenden Gewässern der mexikanischen Hochebene. Doch diese sind zunehmend in Gefahr. Das größte Problem der Hochlandkärpflinge ist die Zerstörung geeigneter Lebensräume.

Gefahr von vielen Seiten

Eine intensivere Landwirtschaft hat zur Folge, dass immer mehr Düngemittel in die Gewässer gelangen und diese schließlich „kippen“. Der damit verbundene Sauerstoffmangel im Wasser führt zu einer bedrohlichen Veränderung der ökologischen Verhältnisse für die bisherigen Bewohner. Gleichzeitig haben die wachsenden Metropolen Einfluss auf die umliegenden Areale. So werden beispielsweise Quellgebiete von Flüssen zu Badeanstalten für die wachsende Bevölkerung umgebaut. Auch das Einschleppen gebietsfremder Fischarten als Nahrungsquelle für die Menschen bedeutet für die Hochlandkärpflinge sowohl neue Fressfeinde, als auch Nahrungskonkurrenz.

    Umzug ins Winterquartier

    Wenn die Außentemperaturen kühler werden, ziehen die Mexikanischen Hochlandkärpflinge ins Winterdomizil. Seit 2015 werden die Fische erfolgreich in Berlin gezüchtet. Mexikanische Hochlandkärpflinge zählen zu den seltensten Süßwasserfischen überhaupt.

    Bedrohungsstatus wird untersucht

    Darüber hinaus führen klimatische Veränderungen in der Region Mesa Central zu verstärkter Trockenheit, die den Lebensraum der Fische weiter schrumpfen lässt. Derzeit sind Wissenschaftler erst dabei, den Bedrohungsstatus der einzelnen Arten für die Rote Liste der IUCN zu erfassen. Es ist abzusehen, dass die Bandbreite von „gefährdet“ bis „in der Natur ausgestorben“ reichen wird.

    Gemeinsame Rettung der Goodeiden

    Als Reaktion auf den kritischen Zustand der Mexikanischen Hochlandkärpflinge­­ – auch Goodeiden genannt – gründeten besorgte Hobby-Aquarianer und Experten 2009 die internationale Goodeid Working Group. Ihr Ziel war und ist es, das bis dahin wenig untersuchte Verschwinden der Hochlandkärpflinge wissenschaftlich zu dokumentieren. Die dazu notwendige, engere Zusammenarbeit zwischen gleichgesinnten Privatpersonen, Universitäten, öffentlichen Aquarien, Museen und Vereinen soll zum einen zuverlässige ex-situ Erhaltungszucht der Hochlandkärpflinge aufbauen.

    Forschung, Nachzucht und Auswilderung

    Zum anderen will die Goodeid Working Group die wenigen noch intakten Lebensräume in Mexiko besser schützen. Hierzu erheben mexikanische Universitäten bisher nicht vorhandene Daten und Renaturierungsmaßnahmen sollen eine Auswilderung von Gründerpopulationen in geeigneten Lebensräumen ermöglichen. Das Aquarium Berlin trägt zur Rettung der Hochlandkärpflinge sowohl durch Erkenntnisgewinn als auch durch Nachzucht und deren gezielte Weitergabe bei.

    Fotos vor Ort: © Goodeid Working Group

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