3 Fragen an...

... Christian Böhm

Der illegale Handel mit Wildtieren und Produkten geschützter Arten gehört weltweit zu den größten Bedrohungen für die biologische Vielfalt. Am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) spielt der Zoll eine wichtige Rolle beim Schutz bedrohter Arten. Beschlagnahmte Tiere und Tierprodukte erzählen Geschichten, die weit über den Moment der Sicherstellung hinausgehen. Einige dieser Exponate sind in der Artenschutz-Vitrine des Aquarium Berlin zu sehen. Sie machen sichtbar, welche Folgen der illegale Handel mit Wildtieren hat, und zeigen, warum Aufklärung ein wichtiger Bestandteil des Artenschutzes ist.

Wir haben mit Christian Böhm, Leiter des Zollamts Flughafen Berlin Brandenburg, über seine langjährige Erfahrung, besonders eindrückliche Fälle und die wichtige Zusammenarbeit zwischen Zoll, Zoo und Aquarium gesprochen.

Redaktion: Herr Böhm, Sie haben in über 40 Jahren beim Zoll unzählige beschlagnahmte Tiere und Tierprodukte gesehen. Gibt es ein Exponat, dessen Geschichte Sie bis heute nicht loslässt?

Christian Böhm: Es gab in den 40 Jahren, in denen ich mich mit dem Artenschutz beschäftige, einige Aufgriffe, die mich bis heute nicht losgelassen haben. Ich bin Anfang 1986 zum Zollamt am Flughafen Berlin-Tegel versetzt worden und habe dort die Aufgabe übernommen, mich mit diesen Fällen zu beschäftigen. Besonders die Aufgriffe von lebenden Tieren waren nicht immer einfach – darunter lebende Affen in einem Vogelkäfig oder lebende giftige Schlangen im Koffer.

Ein Exponat ist mir aber ebenfalls besonders in Erinnerung geblieben. Ich musste eine ausgestopfte Bengalkatze begutachten und beschlagnahmen. Die Bengalkatze war komplett ausgestopft und als Lampe umgebaut. Hinten am Schwanz kam das Stromkabel heraus und als Augen waren Glühlampen eingesetzt. Ich fand diesen Anblick unglaublich schrecklich und habe mich gefragt, welche Person sich solch eine Abscheulichkeit in sein Wohnzimmer stellt. Dafür musste eine Bengalkatze sterben. Bis heute steht dieses Exponat für die Sinnlosigkeit und Skrupellosigkeit des Menschen im Umgang mit der Natur, in der wir leben.

Redaktion: Viele Gäste des Aquarium Berlin sehen in der Artenschutz-Vitrine zunächst „nur“ Korallen oder Reptilienhäute. Was wünschen Sie sich, dass Menschen nach dem Besuch über den illegalen Wildtierhandel verstanden haben?

C.B.: Die Besucher, die das Aquarium und den Zoo besuchen, kommen, um sich lebende Tiere und die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten anzuschauen. Die Exponate in der Vitrine sollen vermitteln, dass der Handel mit Wildtieren und den daraus hergestellten Produkten einen erheblichen Eingriff in die Natur darstellt und dazu beiträgt, dass das Aussterben der Arten beschleunigt wird.

Die Natur unseres Planeten ist durch das Handeln des Menschen in vielfältiger Weise massiv bedroht. Die Umweltverschmutzung und die dadurch steigende Temperatur der Erde, die Vermüllung der Meere, der Raubbau an der Natur durch die Zerstörung von Lebensräumen und der illegale Wildtierhandel führen unausweichlich zur Katastrophe.

Die Besucher sollten erkennen, dass ihr eigenes Handeln Einfluss – zumindest auf den illegalen Wildtierhandel – hat. Sie unterstützen diesen Handel, wenn sie solche Produkte kaufen. Wenn sie erkennen, dass sie durch ihren Verzicht auf den Erwerb solcher Produkte einen kleinen Teil zum Schutz der Arten beitragen können, wäre schon viel erreicht.

Redaktion: Wenn am BER lebende Wildtiere oder geschützte Arten sichergestellt werden, arbeiten Zoll, Veterinärbehörden und Einrichtungen wie Zoo und Aquarium Berlin eng zusammen. Warum sind solche Partnerschaften für einen wirksamen Artenschutz aus Ihrer Sicht unverzichtbar?

C.B.: Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Einrichtungen ist unabdingbar für die Durchsetzbarkeit der bestehenden gesetzlichen Regelungen zum Artenschutz. Wenn der Zoll am BER ein lebendes artengeschütztes Tier beschlagnahmt, muss und wird durch die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Einrichtungen sichergestellt, dass die Tiere so schnell wie möglich medizinisch versorgt und artgerecht untergebracht werden können. Der Zoll kann lebende Tiere nicht in seiner Asservatenkammer unterbringen. Es fehlt hier an der Fachkenntnis zur Versorgung der Tiere und natürlich auch an den vorgeschriebenen Unterbringungsmöglichkeiten. Dies wird durch die Zusammenarbeit aller beteiligten Einrichtungen gewährleistet. Ein funktionierendes Netzwerk ist unabdingbar und ermöglicht dem Zoll, seine ihm zugewiesene Aufgabe im Artenschutz zu erfüllen.


Redaktion: Vielen Dank!

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