3 Fragen an … Aaron Geier

Als Projekt- und Bauleiter ist Aaron Geier für die Sanierung des Rundumbeckens im Aquarium zuständig. Für die meisten Gäste sind die Veränderungen kaum sichtbar. In unserem Interview gibt er einen Einblick, welcher Aufwand wirklich hinter diesem Mammut-Projekt steckt.

Das Rundumbecken blickt bereits auf einige Jahrzehnte zurück. Warum musste es jetzt saniert werden?

Das Rundumbecken wurde ursprünglich zwischen 1978 und 1980 mit einem Volumen von etwa 50 Kubikmetern errichtet. 2001 wurde es umgebaut und auf seine heutige Geometrie mit rund 120 Kubikmetern Salzwasser vergrößert. Seit diesem Umbau war das Becken durchgehend mit Salzwasser gefüllt. Für eine Entleerung müssen schließlich sämtliche Tiere herausgefischt werden – darunter auch sensible Arten wie Hammerhaie.

Seit mehreren Jahren gab es Undichtigkeiten im Betonsockel des Beckens, insbesondere an den Ecken, die beim Umbau 2001 neu hergestellt worden waren. Gleichzeitig waren an der Beckenunterseite im Keller Salzausblühungen erkennbar. Die alte Abdichtung hatte ihre Lebensdauer überschritten und musste erneuert werden.

Dafür musste zunächst der vorhandene Kunstfels komplett abgerissen werden. Er war teilweise über 50 Zentimeter dick und musste bis in eine Höhe von zwei Metern abgebrochen werden. Mehrere Tonnen Schutt haben wir mit Schubkarren aus dem Aquarium transportiert. Erst danach wurde der komplette Schaden an Beton und Abdichtung sichtbar. Zuvor ließ sich das Schadensbild nur eingeschränkt beurteilen.

Die alte Abdichtung wurde vollständig zurückgebaut. Zwei Ecken des Betonsockels, auf dem die Scheiben stehen, mussten zudem komplett neu betoniert werden. Dort hatte der Wasserdruck den Beton reißen lassen. Durch diese Risse war über Jahre Salzwasser in die Konstruktion des Sockels eingedrungen und hatte die Stahlbewehrung rosten lassen.

Welche besonderen Anforderungen stellt ein solches Salzwasserbecken an Materialien und Gestaltung?

Hohe Anforderungen. Es wurden glasfaserverstärkte PE-Anker in den Beton eingegossen. Sie dienen als Halterung für den neuen Kunstfels und werden in die neue Abdichtung einlaminiert. Bei der gesamten Konstruktion verzichten wir auf Stahl, weil wir aufgrund des dauerhaften Salzwassermilieus selbst bei Edelstahl Probleme mit Rost bekommen können.

Auch an die Abdichtung werden hohe Anforderungen gestellt. Sie muss der Belastung durch den darauf stehenden Kunstfels standhalten, salzwasserbeständig und gleichzeitig lebensmittelecht sein. Fische haben teilweise sehr hohe Anforderungen an die Wasserqualität. Bei Kupfer beispielsweise liegt ihre Toleranz deutlich niedriger als die des Menschen. Deshalb darf die Beschichtung auch nach Jahren im Salzwasser keine ihrer Bestandteile an das Wasser abgeben. Nachdem die Abdichtung eingebracht wurde und ausgehärtet ist, gestaltete der Kunstfelsbauer die Landschaft im Inneren des Beckens. Dabei wollten wir den Fischen künftig mehr Raum geben, weshalb die neue Kunstfelsschicht nun etwas dünner ausfällt als bei der alten Gestaltung. Gleichzeitig soll der Fels möglichst organisch und echt aussehen, darf aber nicht zu offenporig sein, da dies die Reinigung durch unsere Taucher erschweren würde. Auch eine Bergungsmöglichkeit für die Taucher muss berücksichtigt werden. Zudem müssen die Strömungsrichtung im Becken und die Gestaltung so geplant werden, dass kein Wasser hinter die Kunstfelsen gelangt.

Eine besondere Herausforderung sind die riesigen Acrylglasscheiben. Was passierte während des Umbaus mit ihnen?

Das Becken besitzt insgesamt fünf Acrylglasscheiben. Sie sind 14 Zentimeter dick, zwei Meter hoch und bis zu acht Meter lang. Die schwersten Scheiben wiegen mehr als zwei Tonnen. Sie wurden 2001 in den USA produziert und nach Deutschland verschifft, weil es damals in Europa noch keine Fertigungsmöglichkeiten für Scheiben dieser Größe gab. Ins Aquarium wurden sie seinerzeit über das Dach eingebracht. Deshalb war es für die jetzige Sanierung besonders wichtig, die vorhandenen Scheiben zu erhalten. Für den Ausbau stellte uns das vor eine besondere Herausforderung: Die Zugänge des Aquariums lassen die Einbringung großer Kräne oder anderer entsprechender Maschinen nicht zu. Die über zwei Tonnen schweren Scheiben mussten deshalb ohne deren Hilfe mit anderen Spezialgeräten ausgebaut werden. Am Ende der Arbeiten wurden die Acrylglasscheiben vor Ort an allen Kanten und Flächen poliert und anschließend wieder eingebaut. Teilweise mussten sie noch etwas kleiner geschliffen werden, damit sie wieder exakt passen. Durch die neue Abdichtung haben wir umlaufend etwa fünf bis zehn Millimeter weniger Platz. Das ist bei Aquariumsscheiben durchaus üblich: Sie werden generell etwas größer gefertigt, weil das Abschleifen vor Ort durch eine Fachfirma möglich ist.

Für diese Arbeiten haben wir eigens eine Spezialfirma aus den Niederlanden beauftragt. Ein achtköpfiges Team war mehrere Wochen vor Ort, um die Scheiben zu polieren und anschließend wieder einzusetzen. Dabei kommen handbetriebene Kräne und Flaschenzüge zum Einsatz – mit ihnen werden die tonnenschweren Scheiben schließlich wieder an ihren Platz gebracht.

Wahnsinn, das klingt wirklich unglaublich aufwändig. Vielen Dank für diesen Einblick!

Öffnungszeiten

Heute, 19. August
9:00 - 18:00 Uhr
Letzter Einlass: 17:00 Uhr
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