Flotte Käfer in Sicht

Fantastische Tierwesen … und wo sie zu finden sind

Mit seinem beeindruckenden Geweih – das die halbe Länge seines Körpers misst – schreitet das Tier mit seinen sechs Beinen vorbei. An seiner metallischen Haut spiegelt sich das Tageslicht in allen Farben des Regenbogens. Was nach einem Fabelwesen klingt, gibt es wirklich – und seit kurzem ist es sogar in Berlin zu bestaunen.

Somewhere over the rainbow

Australischer Hirschkäfer oder auch Regenbogen-Hirschkäfer wird das sagenhafte Tier genannt. Seit Anfang August ist das farbenprächtige Insekt im Aquarium Berlin zu sehen – dem Tierpfleger Shahin Tavangari sei Dank. Denn er hat einen Traum: Eine große und vielfältige Käferzucht im wichtigsten Schauaquarium Deutschlands gründen! Seit mittlerweile anderthalb Jahren arbeitet Tavangari daran und ist seinem Ziel nun ein großes Stück näher gekommen. Bislang kamen Käfer in der Regel lediglich als Futtertiere zum Einsatz. Doch diese Zeiten sind dank des motivierten Pflegers nun vorbei.

Gut Ding will Weile haben

Schon seit einiger Zeit können aufmerksame Besucher des Aquariums den Kongo-Rosenkäfer sowie den braunen Rosenkäfer bewundern. Die männlichen Exemplare aus der Unterfamilie der Blatthornkäfer stechen durch ihr Horn und die große Delle an der Unterseite ihres festen Körpers heraus. Zudem haben sie einen sehr intensiven Geruch um sich von anderen Arten abzuheben und auch untereinander zu unterscheiden. Die Kongo-Rosenkäfer sind eine Art, die relativ einfach zu halten ist. Schwieriger wird es beim genannten Regenbogen-Hirschkäfer oder den Dreihorn- und Vierhornkäfern. Letztere werden zwar schon hinter den Kulissen gezüchtet, sind aber noch nicht öffentlich zu sehen. Eine Planungszeit von zwei bis drei Jahren ist nötig, bis Aquariumsbesucher tatsächlich in den Genuss dieser faszinierenden Spezies kommen können. Aufgrund unterschiedlicher Entwicklungszyklen und nicht ausreichender Käferanzahl ist auch die Sichtbarkeit der im Aquarium schon zu bestaunenden Käferarten noch nicht dauerhaft garantiert. So ist der Derbyan-Rosenkäfer voraussichtlich nur noch bis Ende Oktober 2017 und dann wieder ab April 2018 in der Schau zu sehen. Und auch der Regenbogen-Hirschkäfer wird über die Wintermonate einige Monate nicht zu sehen sein. Erst in den nächsten Jahren kann die dauerhafte Sichtbarkeit garantiert werden. Doch dazu bedarf es einer intensiven Vorbereitung im Hintergrund.

Käferzucht – Die Meisterdisziplin unter der Insektenhaltung

Nahezu alle Tiere im Aquarium sind anspruchsvoll in der Haltung – die Zucht von Käfern ist oftmals jedoch eine der schwierigsten Disziplinen. Vor allem die spezielle Nahrung kann bei vielen Arten nicht so einfach gewährleistet werden. Eine weitere Schwierigkeit ist die Haltung während der Aufzucht. Die Larven der Käfer, die sogenannten Engerlinge, sind in ihrem Puppenstadium besonders empfindlich und müssen stets einzeln im Substrat, also Nährboden, aufgezogen werden. Die separierte Aufzucht mit einem Engerling pro Becher sichert, dass die Tiere sich nicht gegenseitig auffressen oder durch erhöhten Stress durch unmittelbare Nachbarn in ihrer Entwicklung behindert werden. Doch auch die separate Aufzucht garantiert nicht, dass sich jeder Engerling zum Käfer entwickelt.

Vertrauen ist der Anfang von allem

Die für die neue Aufzucht benötigten Käferarten werden durch das Aquarium von spezialisierten Züchtern erworben. Ein Käfer hat, je nach Art, eine Lebenserwartung von 3 bis 12 Monaten. Dabei ist dem Tier nach seiner vollständigen Entwicklung nicht anzusehen, wie alt es ist. Dies macht den Käferkauf zu einem Vertrauensakt zwischen Händler und Kunde. Denn es besteht das Risiko, dass das zum Verkauf stehende Exemplar schon alt ist und nur noch wenige Tage zu leben hat. Doch bislang hatte Shahin Tavangari Glück und seine Käferzucht hinter den Kulissen des Aquariums wächst und gedeiht.

Was zum Teufel sind Coccinellidae?

Coccinellidae? Was nach einem italienischen Pasta-Gericht klingt, kennt eigentlich jeder. Beim deutschen Namen macht es aber erst klick: Vom Marienkäfer ist die Rede. Doch mit einem deutschen Namen sind in der Regel nur wenige Käfer ausgezeichnet – vor allem einheimische oder international bekannte Käferarten werden so gewürdigt. Vielen Arten bleibt daher nur der wissenschaftliche Name. Für die meisten Aquariumsbesucher ist dieser eher unattraktiv und schwer zu merken. So setzte sich das Team des Aquariums zusammen, um sich gemeinsam einen neuen Namen auszudenken. Häufig wird er vom wissenschaftlichen Fachnamen oder dem bevorzugten Verbreitungsgebiet abgeleitet. So wird aus dem Chlorocala smaragdina im deutschen Sprachraum der Smaragdrosenkäfer. Und aus dem Endicella hornimanni aus Kamerun wird der Hornimannsrosenkäfer – übrigens auch eine Art, die zukünftig in Berlin zu sehen sein soll.

Beetlechoose, beetlechoose, beetlechoose

Das langfristige Ziel Tavangaris ist es, viele und vor allem vielfältige Käfer im Aquarium zu zeigen – sortiert nach den Erdteilen aus denen sie stammen. Innerhalb der einzelnen Terrarien sollen dann mehrere Arten aus einer Region zu sehen sein. Ein lebhaftes Gewusel aus vielen kleineren Käfern und einige mittelgroße Käfer sollen pro Terrarium dauerhaft gezeigt werden. Dazu kommen regelmäßig wechselnd verschiedene einzelne große Käfer. Somit wird einem Teil der 350.000 bekannten Käferarten endlich Einzug in den artenreichsten Zoo gewährt. Ohne die Einzelhaltung würden diese Riesenkäfer sich gegenseitig bekämpfen, was unweigerlich zum Tod des schwächeren Exemplars führen würde. Mit anderen Käferarten jedoch leben sie in der Regel friedlich zusammen.

Die Faszination der Welt der Käfer

So vielfältig die Details sind, auf die man bei der Haltung achten muss, so eindeutig ist doch das Fazit für die geplante Käferzucht: Im Aquarium Berlin werden zukünftig noch viele neue fantastische Kreaturen zu entdecken sein. Glänzend oder matt, bunt oder schwarz, mit zwei, drei oder gar vier Hörnern. Mit der neuen Käferzucht wird die ohnehin schon faszinierende Welt des Aquarium Berlin dank der Hilfe von Shahin Tavangari noch ein bisschen faszinierender.

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