Die kleine Reptilienkunde

- Ein ausgesprochener Räuber unter den Kriechtieren ist der Wasserwaran
Die Kriechtiere (Reptilien) traten erstmals vor 260 Mio. Jahren (Steinkohlezeit) auf. Aus dieser Zeit kennt man die Stammreptilien (Ordnung Cotylosauria) und 3 Gruppen der Urraubsaurier.
Ihre Hochblüte erreichten die Kriechtiere im Erdmittelalter mit einer weitaus größeren Artenzahl als heute.
Der Name "Kriechtiere" existiert etwa seit 200 Jahren. Mit den heutigen Kenntnissen hätte diese Tiergruppe höchst wahrscheinlich einen anderen Namen erhalten. Denn viele vorzeitliche Vertreter krochen nicht, sondern schwammen, liefen, kletterten oder flogen sogar.
Der Übergang vom Reptil zum Säugetier erfolgte im Trias (vor 180 bis 225 Mio. Jahren).
Die Merkmale der Kriechtiere:
Die Tierklasse der Reptilien zählt zu den Wirbeltieren, wie auch die Vögel, Amphibien, Fische und Säugetiere. Reptilien sind im Gegensatz zu den Amphibien und Fischen ausschließlich Lungenatmer.
Zum Schutz der Haut besitzen die Kriechtiere ein stark bis weniger stark ausgeprägtes Schuppen- oder gar Schilderkleid.
Mit Ausnahme der Schlangen und einiger Schleichen besitzen Kriechtiere vier
Gliedmaßen mit jeweils 5 bekrallten oder nicht bekrallten Fingern und Zehen. Eine Ausnahme ist hier die "Vier-Zehenschildkröte".
Kriechtiere sind wechselwarm (ektotherm). Dies bedeutet, dass ihre Körpertemperatur von der Umgebungstemperatur abhängig ist. Durch Stoffwechsel wird also keine eigene Körperwärme erzeugt bzw. abgegeben.
Zur Fortpflanzung findet eine "innere" Befruchtung der Eizellen statt. Die meisten Kriechtiere sind eierlegend. Die Eiablage findet selbst bei den im offenem Meer beheimateten Meeresschildkröten immer an Land statt. Bei den lebendgebärenden Arten schlüpfen die Jungtiere erst kurz vor ihrer Geburt aus den separaten dünnhäutigen Eihüllen innerhalb des Mutterleibes.
So unterschiedlich Kriechtiere in ihrer Gestalt sind, so weichen sie auch in Größe und Gewicht voneinander ab. Das längste Reptil ist der fast 10 Meter lange Netzpython. Das Orinoko-Krokodil kann eine Länge von bis zu 7 Meter erreichen. Der Komodowaran, als längste Echse erreicht eine Körperlänge von drei Metern bei einem Gewicht von 165 kg. Viel schwerer können dagegen die Meeresschildkröten mit bis zu 600 kg werden. Auch in der Lebenserwartung liegen manche Schildkrötenarten mit weit über 100 Jahren vorn. Aber auch Brückenechsen können fast 100 Jahre alt werden. Mit ihrer zu erreichenden Körperlänge von 4 cm und 2 Gramm Gewicht, sind dagegen die afrikanischen Kugelfingergeckos wahre Winzlinge unter den Reptilien.
Charakteristisch für viele Reptilien ist das züngeln. Sie besitzen nämlich ein spezielles Riechorgan, das "Jacobsonsche Organ". Es ist von der Nasenhöhle isoliert und mündet bei Schlangen und Echsen direkt in der Mundhöhle.
Die Kriechtiere sind in allen gemäßigten, tropischen und subtropischen Regionen mit etwa je 3000 Arten von Schlangen und Echsen, 220 Arten von Schildkröten, 23 Arten von Panzerechsen und zwei Arten Brückenechsen vertreten.
Man trennt die Reptilien in vier Ordnungen:
- Schildkröten mit zwei Unterordnungen, den Halsberger- und den Halswender-Schildkröten.
- Panzerechsen (Krokodile)
- Schnabelköpfe, mit zwei Arten Brückenechsen.
- Die größte Ordnung besteht aus zwei Unterordnungen, nämlich den Echsen und den Schlangen, die sich aus waranähnlichen Vorfahren entwickelt haben. Aber nicht alle fußlosen Reptilien sind Schlangen, sondern viele Echsen haben sekundär die Beine reduziert, wie zum Beispiel die heimische Blindschleiche.
Ernährung der Reptilien
Im Reich der Reptilien existieren sowohl ausgesprochene Fleischfresser, wie z.B. die Schlangen, als auch reine Vegetarier wie die meisten Landschildkröten. Einige kleinere Echsen ernähren sich ausschließlich von Insekten, andere bevorzugen eine Gemischtkost, was sie zu "Allesfressern" macht, wie z.B. die meisten Eidechsen (Lacerta).






