Historische Fassaden des Zoo-Aquarium Berlin

Einleitung

Bereits zur Eröffnung des Aquariums im Jahre 1913 schmückten mehrere Saurier, eine Schildkröte, ein Ammonit, ein Lurch und ein Panzerfisch die Fassade. Diese von Prof. HEINRICH HARDER entworfenen Tierdarstellungen sollten zum einen auf die ausgestorbenen Saurier und zum anderen auf die Vielfalt der in diesem Hause ausgestellten Tiere aufmerksam machen. Nach der Zerstörung während des Zweiten Weltkriegs wurde das Aquarium zwar wieder aufgebaut, aus Geldmangel verzichtete man jedoch auf die Wiederherstellungen der Tierdarstellungen. Die Wandflächen enthielten, dem Geschmack der damaligen Zeit folgend, einen Kieselkratzputz. Die von Bomben teilweise sehr schwer beschädigten Mosaikbilder schützte Gott sei Dank der mit dem Neuputz der Fassade beauftragte Maurerpolier mit einer Lehmschicht, ohne hierfür einen Auftrag zu haben. Dies war im Zoo nicht bekannt, bis er es Herrn Prof. KLÖS berichtete, als dieser 1978 durch Zeitungen und Rundfunk die Bevölkerung gebeten hatte, dem mit Bildmaterial bei der Rekonstruktion der Fassade zu helfen. Mit der vollständigen Renovierung des Zoo-Aquariums sollten auch die alten Tierdarstellungen wiederentstehen. So konnte der Künstler JOCHEN IHLE an Hand der Fragmente der alten geretteten Mosaiksteine die Farben erkennen und leichter die Restaurierung durchführen. Glücklicherweise blieben von den 14 Originalentwürfen von Prof. HEINRICH HARDER fünf erhalten, die Prof. KLÖS 1977 im alten Schreibtisch des ehemaligen Aquariums - Direktors Dr. OSKAR HEINROTH gefunden hatte. Diese Originalzeichnungen sowie alte Fotografien der Außenfassade dienten als Vorlage für die Restaurierungsarbeiten. Da früher vor dem Aquarium Bäume gestanden haben, mußten wir aus einer Reihe von Fotos einem Puzzlespiel gleich die Vorlagen zusammentragen. So entstanden alle Tierdarstellungen in der ursprünglichen Form, bis auf die des Panzerfisches. Von diesem Tier fertigte man 1913 nur einen Kopf an, der jedoch als Panzerfisch kaum zu erkennen war. Unseren Steinmetzen gelang es, ein vollständiges Tier nach entsprechenden Vorlagen sehr plastisch herauszuarbeiten. Herrn Prof. BERNHARD KREBS, Paläontologe am Institut für Paläontologie der Freien Universität Berlin, stand uns stets für die bei der Restaurierung auftretenden Fragen zur Verfügung und stellte den Steinmetzen ausreichendes Bildmaterial für die darzustellenden Tiere zur Verfügung, wofür wir ihm herzlich danken. So restaurierte Bildhauer JOCHEN IHLE, mit Hilfe der FRANZ MAYER`schen Hofkunstanstalt München, die drei Mosaikbilder auf der Gartenseite, die ein Größe von 3,70 x 1,80 m haben. Er fertigte auch die vier Majolikabilder auf der Straßenseite in einer Größe von 3,70 x 1,80 m. Derselbe Bildhauer modellierte die sieben Zementstuck-Reliefs in einer Größe von 5,40 m x 2,30 m. Die fünf Schlußsteine über den Fenstern des Aquariums, die jeweils ein Tier darstellen, wurden von der Steinmetzfirma WINTERHELT GmbH & Co. repariert bzw. neu erstellt.
Daß Rekonstruktionen nicht unumstritten sind, wußte man bereits bei der Gestaltung der Fassade im Jahre 1911, und so kann man in der "Beschreibung des Aquariums im Zoologischen Garten zu Berlin 1913" lesen: " Solche Rekonstruktionen mögen für die hochwissenschaftlichen Museen ihr Bedenkliches haben, weil die Phantasie dabei notgedrungen eine mehr oder weniger große Rolle spielen muß; der Zoologische Garten als mehr volkstümliche Bildungsanstalt darf derartiges wohl wagen für den guten Zweck."

Iguanodon

Der Iguanodon lebte in der Unteren Kreide, also vor 130 - 90 Millionen Jahren, in Westeuropa und China. Er war bis zu acht Metern lang und erreichte eine Höhe von fünf Metern. In einer Kohlengrube bei Bernissart, Belgien, wurden 29 Vertreter dieser Tierart gefunden und davon 23 Exemplare im Naturkundemuseum in Brüssel aufgestellt. In Deutschland fand man erstmals 1980 im Sauerland Reste dieses riesigen Sauriers.
Die Nahrung dieser Pflanzenfresser bestand aus Trieben und Zweigen der Bäume und Sträucher.

Mastodonsaurus

Der Mastodonsaurus hat einen irreführenden Namen, denn er gehört nicht zu den Sauriern, sondern ist ein Vertreter der Amphibien. Bei genauer Betrachtung des Bildes kann man sich vorstellen, daß dieses froschähnliche Tier gut an das Wasserleben angepaßt ist. Der Mastodonsaurus war mit einer Gesamtlänge von etwa drei Metern eines der größten Lebewesen in der Obertrias (vor 200 Millionen Jahren). Der Rumpf war im Verhältnis zum Kopf relativ klein. Mastodonsaurus ist nicht Ahne der heutigen Frösche oder Molche; er steht am Ende eines Seitenzweiges des Stammbaums der Lurche, dessen Vertreter am Ende der Trias ausgestorben sind. Die Extremitäten waren stark reduziert. Der Mastodonsaurus ernährte sich hauptsächlich von Fischen, deren Reste man in den versteinerten Exkrementen (Koprolithen) fand. Die Sinuslinie auf dem Kopf ist ein Sinnesorgan und diente der Orientierung der Tiere im Wasser.

Ammoniten

Die Ammoniten sind Kopffüßler (Cephalopoden), die zusammen mit den Schnecken (Gastropoden) und Muscheln (Bivalvia) zu den Weichtieren (Mollusken) gehören. Sie lebten in einer ungeheuren Formenfülle (1550 Gattungen) von Unterdevon bis in die Obere Kreide (400 - 65 Millionen Jahre). Während die Ammoniten des Paläozoikums selten größer als 10 cm waren, gab es in der Unterkreide, also kurz vor ihrem Aussterben, Riesenformen, so z. B. den Pachydiscus mit einem Durchmesser von 2,55 m. Von den Ammoniten gingen die empfindlichen Weichteile verloren. Erhalten blieb lediglich die Schale, von der der hintere Teil gekammert und mit Gas gefüllt war. Das Tier selbst lebte in der vorderen Wohnkammer. Der äußere Rand der Kammerschneidewände ist bei jeder Ammonitenart unterschiedlich angelegt und bewirkte die für die wissenschaftliche Zuordnung so wichtige Lobenlinie. Da Ammoniten über einen so langen Zeitraum der Erdgeschichte verbreitet waren und jede zeitliche Einheit charakteristische Formen aufweist, benutzt man viele Ammoniten zur Bestimmung des relativen Alters der Schichten. Solche Zeitmarken nennt man Leitfossilien.

Pareiasaurus

Der bis 1,90 Meter lange Pareiasaurus oder Wangensaurier mit dem sehr massiv gebauten, hoch gewölbten Schädel lebte von Mittleren Perm bis in die Untertrias (235 - 215 Millionen Jahre). Obwohl diese Cotylosaurier oder Stammreptilien säugetierähnlich aussehen, gehören sie nicht zu den Mammalia. Die Cotylosaurier ordnet man zusammen mit den heute noch lebenden Schildkröten (Ordnung Testudinata) in die Unterklasse der Anapsida ein. Die Anapsiden zeichnen sich durch das Fehlen von Schläfenöffnungen aus. Dies sind Durchbrüche in den hinteren Teil des Schädeldaches, an deren Ränder die Kaumuskeln ansetzen. Solche Schläfenöffnungen sind bei fortschrittlichen Reptilien immer vorhanden; sie sind zum Beispiel am Schädel von Triceratops deutlich zu sehen. Pareiasaurus ist nicht Ausgangspunkt einer weiterführenden Entwicklung, aber andere, kleinwüchsige, insektenfressende Stammreptilien gelten als Ahnen aller übrigen Reptilien. Pareiasaurus erreichte eine Schulterhöhe von 1,20 - 1,50 Metern und dürfte etwa eine halbe Tonne gewogen haben. Diese plumpen Saurier waren Pflanzenfresser und lebten in Afrika im heutigen Kapland in Sümpfen, ähnlich wie die heutigen Nilpferde. Der sehr eigentümlich gestaltete Schädel trägt am Unterkiefer zwei Knochenzapfen, deren Bedeutung unbekannt ist.

Plesiosaurier

Die Plesiosaurier, auch Paddelechsen oder Schlangenhalssaurier genannt, lebten von der oberen Trias bis zur Oberkreide (200 - 100 Millionen Jahre). Sie erreichten im Durchschnitt eine Körperlänge von 4,5 Metern. Die Länge des Halses wird nicht durch Verlängerung der einzelnen Halswirbel erreicht, wie etwa bei der Giraffe, sondern durch Vermehrung der Zahl der Wirbel. Die Plesiosaurier wurden schon mit einer Schildkröte verglichen, durch die eine Schlange gezogen worden sei. Der Elasmosaurus erreichte jedoch eine Länge von 13 Metern, von der die Hälfte auf den Kopf und Hals entfielen. Die Extremitäten der Plesiosaurier waren zu paddelähnlichen Organen umgebildet und damit gut an den Lebensraum Wasser angepaßt. Die ursprüngliche Reptiliengestalt blieb erhalten (Plesiosaurier = dem Reptil ähnlich). Im Wasser schwammen sie vermutlich wie die Schildkröten oder Pinguine. Sie waren jedoch nicht so extrem wie die Ichthyosaurier an das Wasserleben adaptiert, die das Wasser nicht mehr verließen. Man nimmt daher an, daß die Plesiosaurier zumindest zur Eiablage, den Meeresschildkröten gleich, das Wasser verlassen konnten, während der stärker an das Wasser angepaßte Ichthyosaurus lebende Jungtiere zur Welt brachte. Die Plesiosaurier ernährten sich von Fischen, Tintenfischen und Belemniten. Wahrscheinlich wurde der Hals mit seinen bis zu 76 Wirbeln s-förmig zurückgebogen und konnte dann, wenn ein Beutetier in Reichweite war, blitzartig vorschnellen, um es zu packen.

Ichthyosaurus

Der Ichthyosaurus, oder Fischsaurier, ein recht premitiver Saurier in der Trias (200 Millionen Jahre), entwickelte sich weiter und erreichte seinen Höhepunkt der Entwicklung erst im Jura vor 135 Millionen Jahren. Keine andere Reptiliengruppe erreichte einen solch extremen Grad der Anpassung an das Wasserleben wie die Fischechsen. In den Körperproportionen erinnern diese Saurier an die Wale, zu denen auch die Delphine gehören. Wale sind jedoch Säugetiere, die sich in ihrem anatomischen Aufbau an das Wasserleben so angepaßt haben, daß sie es nicht mehr verlassen können. Auch die Fischechsen konnten ihren Lebensraum Wasser nicht mehr verlassen. Somit gab es eine parallele Entwicklung. Die Extremitäten entwickelten sich zu Ruderblättern. Bei den Fischechsen blieb jedoch im Gegensatz zum Wal das hintere Extremitätenpaar in Form einer kleinen Flosse erhalten. Der hier dargestellte Ichthyosaurus ist eine Rekonstruktion, während im Treppenaufgang im Aquarium das Original eines versteinerten Sauriers aus Holzmaden hängt. Diese Saurier erreichten eine Länge von etwa 2 Metern, jedoch gab es Fischsaurier, die bis zu 8 Meter lang wurden. Aufgrund der extremen Anpassung an das Wasserleben konnten diese Saurier keine Eier mehr an Land ablegen und brachten lebende Junge zur Welt. Man unterscheidet Schmalflossen- und Breitflossenechsen fünf Fingerstrahlen und damit erhebliche breitere Paddel besitzen.

Pteranodon

Der spätkreidezeitliche Luftdrachen oder Pteranodon ( = geflügelt, zahnlos) hatte eine Flügelspannweite bis zu 8 Metern und war damit das größte flugfähige Tier aller Zeiten. Er war der der höchstentwickelte Flugsaurier und lebte in der Kreidezeit (vor 70 Millionen Jahren). An Stelle von Zähnen besaßen diese Saurier einen Hornschnabel. Die Hintergliedmaßen waren stark reduziert. Der Schädel setzte sich nach hinten in einem schmalen Knochenkamm fort. Ein weiterer, aber wesentlich kleinerer Flugsaurier namens Ramphorhynchus, der mit dem Pteranodon zusammen zur Ordnung der Pterosaurier gehörte, besaß kräftige Hinterextremitäten und eine kräftige Bezahnung auf beiden Kiefern. Auch fehlt dem Ramphorhynchus der Knochenkamm auf dem Kopf. Die derbe, zum Teil durch sehnige Stränge versteifte Flughaut (Patagium), die jeweils vom Vorderarm den Körper entlang zu der Hinterextremität gespannt war, kennzeichnet den Pterosaurier. Die Flugsaurier lebten vermutlich auf dem Meer. Ein Riß der Flughaut muß zu einem Absturz geführt haben, während ein Vogel nach Verlust von einigen Schwungfedern dennoch weiterfliegen kann. Die Hauptnahrung dieser Saurier bestand aus Fischen und Krebsen. Seine Lebensweise war dem Albatros ähnlich, und so konnte es als Flugsegler gut die Luftströmung ausnutzen. Ähnlich wie beim Pelikan war ein dehnbarer Kehlsack vorhanden, der vermutlich beim Verschlingen größerer Beutestücke nützlich war. Skelette von Pteranodon wurden in Nordamerika, in der UdSSR und in Jordanien gefunden.

Edaphosaurus

Der Edaphosaurus gehört zu den Pelycosaurien, primitive, säugetierähnliche Reptilien. Die stammesgeschichtliche Entwicklung der säugetierähnlichen Reptilien ist durch zahlreiche Funde dokumentiert. An Hand dieser Fossilien kann beobachtet werden, wie im Verlauf von 100 Millionen von Jahren die Merkmale der Säugetiere ganz allmählich auftreten. So ist zu sehen, wie im Gebiß unterschiedliche Zahntypen entstehen, wie der Mundraum durch einen knöchernen Gaumen vom Nasengang getrennt wird und wie erste Versuche gemacht werden, die Körpertemperatur konstant zu halten. Seine Länge betrug etwa 3,30 Meter. Die hier bei der Rekonstruktion freigelegten Knochenspangen auf dem Rücken des Tieres waren sicher mit einer Hautfalte überzogen. Diese Einrichtung diente vermutlich dem Temperaturausgleich. Die ersten Vertreter dieser Saurier lebten bereits im Oberkarbon (vor 300 Millionen Jahren). Im Perm (vor 280 Millionen Jahren) waren sie bereits mit 11 Gattungen vertreten. Der Edaphosaurier war das erste Pflanzenfressende Reptil, während der ihm nahestehende und zur gleichen Zeit lebende Pelycosaurier namens Dimetrodon mit seinem Rückensegel sehr ähnlich aussah, jedoch das größte Raubtier unserer Zeit war. Bei dem Edaphosaurus hatten die Knochenspangen auf dem Rücken Knoten und Seitenäste, die dem Dimetrodon fehlten.

Belodon

Der Belodon gehört zu den Phytosauriern. Die Phytosaurier wiederum gehören zu den Thecodontia, die mit den Crocodilia (zu denen die heute lebenden Krokodile zählen) sowie weiteren Säugetierordnungen die Unterklasse der Archosaurier bilden. Im Gegensatz zu den Krokodilen liegen die Nasenöffnungen von Belodon nicht am vorderen Ende der Schnauze, sondern erhöht, auf einem Höcker vor den Augen. Dies ermöglichte den Tieren zu atmen, wenn sie knapp unter der Wasseroberfläche liegend auf ihre Beute lauerten. Der Belondon lebte in der Oberen Trias (vor 200 Millionen Jahren) und hatte einen gavialähnlichen Körperbau. Der 60 bis 90 cm lange Schädel besaß ein außerordentlich langes Rostrum. Die Zähne waren konisch, spitz, fast gleichförmig und zum Ergreifen der Beutetiere gut geeignet. Die Phytosaurier vertraten ökologisch die Crocodilia in der Trias. Diese mittelgroßen bis großen Tiere ernährten sich carnivor und nicht von Pflanzen, wie man aufgrund der Bezeichnung Phytosaurier annehmen könnte. Die Gliedmaßen waren schlank und kurz, der Rücken- und Bauchpanzer bestand aus abgerundeten, der Kehlbrustpanzer aus kleinen polygonalen Knochenplatten mit grob netzförmiger, etwas höckriger Struktur. Der Belodon war von allen Phytosauriern am besten an das Leben im Wasser angepaßt. Reste dieser Saurier wurden in Europa und Nordamerika gefunden.

Polacanthus

Der Polacanthus gehört zu den gepanzerten Dinosauriern (Ankylosaurier), die in der Kreidezeit (vor 140 - 65 Millionen Jahren) zunächst noch mit den Stegosauriern zusammenlebten und diese dann ablösten. Sie waren, ähnlich wie die heute noch lebenden Gürteltiere, schwer gepanzert. Beim Angriff durch fleischfressende Dinosaurier haben Ankylosaurier wie auch Stegosaurier auf die Flucht verzichtet und mit Hilfe von Panzern oder Stacheln passiven Widerstand geleistet. So hat der Polacanthus auf dem Hals und Rücken eine Doppelreihe großer Dornen, die sich auf dem Schwanz fortsetzen. Die Hüftregion war durch einen Panzer geschützt, der aus vielen kleinen Knochenplättchen bestand. Spätere Ankylosaurier wie Palaeoscincus und Nodosaurus waren mit einem noch schwereren Panzer ausgestattet. Der Polacanthus erreichte eine Länge von 4,70 Metern, während der Palaeoscincus eine Körperlänge von 7,50 Metern erreichte. Mit einer Schulterhöhe von 1,80 m hat er etwa dreieinhalb Tonnen gewogen, das entspricht dem Gewicht eines ausgewachsenen Elefanten. Die Ankylosaurier hatten einen ebenso kleinen Kopf wie die Stegosaurier, mit schwachen Zähnen. Der Nodosaurus war, wie sein Name schon sagt, zahnlos. Sie waren alle ausnahmslos Pflanzenfresser. Systematisch gehören sie zu den Ornithischia. Sie haben ihre bipede Fortbewegungsart aufgegeben und sind sekundär quadrupede Saurier geworden.

Meiolania

Die Meiolania ist mit ihren hornartigen Fortsätzen eine der eindrucksvollsten Schildkröten. Sie lebte im Alt - Quartär (vor 1 Million Jahren) und war eine riesige landbewohnende Form. Der Panzer dieser Art ist nur unvollständig bekannt. Die Schildkröten (Testudinata) sind primär landbewohnende, oft an das Leben im Wasser angepaßte Reptilien mit einem gedrungenen Rumpf, der von einem Panzer umgeben ist. Seit der Trias (225 Millionen Jahre) bevölkerten Schildkröten unsere Erde, und noch heute leben 211 Arten, die sich in 66 Gattungen gliedern, während man Vertreter von 170 ausgestorbenen Gattungen kennt. Der für die Schildkröten so typische Panzer besteht einmal aus dem Rückenpanzer (Carapax), der sich aus vielen Knochenplatten zusammensetzt, die von Hornschilden bedeckt sind, und dem Bauchpanzer (Plastron), der ebenfalls aus Knochenplatten zusammengesetzt ist und auf der Außenseite Hornschilder trägt. Leider stimmen die Knochenplatten in Ihrer Form und Größe nicht vollständig mit den Hornschilden überein, so daß die Zuordnung der entsprechende Teile recht schwierig ist. Schildkröten haben keine Zähne mehr, sondern einen Hornschnabel und sind meist Pflanzenfresser. Viele Arten jedoch ernähren sich auch von Fischen, Krebsen und Mollusken. Leider gehören viele Schildkröten heute zu den bedrohten Tierarten, so vor allem die Riesenformen, die auf den Seychellen - Inseln und auf den Galapagos - Inseln leben.

Nothosaurus

Der Nothosaurus oder Bastardsaurier war ein in der Mitteltrias (vor 210 Millionen Jahren) recht häufig vorkommendes Reptil. Es lebte in flachen Meeresbecken Mitteleuropas, und Reste dieser Saurier findet man gelegentlich im Muschelkalk. So zum Beispiel zwei mehr oder weniger vollständig erhaltene Skelette aus dem Unteren Muschelkalk von Rüdersdorf bei Berlin, die jetzt im Naturkunde Museum in Berlin Invalidenstraße sind. Diese Exemplare haben eine Länge von 1,40 m. Der Nothosaurus erreichte eine Gesamtlänge von 2 - 3 Metern. Aufgrund zahlreicher morphologischer Merkmale wurde er den Plesiosauriern zugeordnet. Jedoch waren die Nothosaurier noch nicht so weit wie die Plesiosauriern an das Wasserleben angepaßt. Einige Autoren glauben, daß der Nothosaurus zu den Vorfahren der Plesiosaurier zu zählen ist. Der Schädel ist sehr lang und die großen Vorderzähne bilden ein guten Fangapparat. Der übrige Körper erinnert in seinen Proportionen an die Plesiosaurier, jedoch waren beim Nothosaurus an den Zehen bereits Schwimmhäute angelegt. Die Nothosaurier besaßen einen schlankeren Körper und längere Schwänze als die Plesiosaurier. Der Nothosaurier ernährte sich ausschließlich von Fischen und konnte sich vermutlich gut außerhalb des Wassers auf dem Lande bewegen.

Stegosaurier

Die Stegosaurier lebten von Oberjura bis Oberkreide (150 - 65 Millionen Jahre) vor allem in Nordamerika in 9 verschiedenen Gattungen. Sie erreichten eine Länge von acht Metern und ein Gewicht von etwa 1,8 Tonnen. Der gewölbte Rücken trug zwei Reihen großer miteinander alternierender, fast vertikal stehender und ursprünglich mit Horn überzogener Knochenplatten. Der Schwanz trug zwei (nicht vier, wie früher angenommen) lange Knochenstacheln. Der verhältnismäßig kleine Kopf enthielt ein winziges Gehirn. Im Bereich der Kreuzwirbel war das Rückenmark so verbreitert, daß man von einem Sakralgehirn zu sprechen pflegt. Dieses war 10 Mal größer als das eigentliche Gehirn; es diente wohl hauptsächlich der Koordination der Bewegungen der Gliedmaßen und es Schwanzes. Diese schwerfälligen Stegosaurier waren Pflanzenfresser, und so befanden sich in jeder Kiefernhälfte 25 funktionsfähige, aber sehr kleine Zähne. Mit ihren Knochenplatten und den Schwanzstacheln waren sie ausreichend vor den fleischfressenden Artgenossen geschützt. Die noch etwas längeren und kräftigeren Hinterbeine erinnern an die bipeden Vorfahren. Der Vorderfuß hatte fünf Finger, der Hinterfuß jedoch nur drei Zehen. Hier war die erste und fünfte Zehe zurückgebildet. Die Finger wie auch Zehen enden in hufähnlichen Nägeln. Die Stegosaurier ordnet man im zoologischen System der Ordnung der Ornitischia zu.

Triceratops I

Der Triceratops gehört zu den Kurzschildceratopsiden, einer Sauriergruppe, die sich in der Oberkreide vor 100 Millionen Jahren entwickelte. In den folgenden 35 Millionen Jahren entstanden neben den verschieden Formen der Kurzschildceratopsiden auch die Langschildceratopsiden, von denen unsere Fassade den Torosaurus als Schlußstein über dem einen Fenster zeigt. Das auffälligste Kennzeichen des Triceratops sind die drei Hörner auf dem Kopf und das vom Kopf ausgehende Nackenschild. Diese Tiere erreichten ein Länge von 11 Metern und ein Gewicht von acht Tonnen. Sie waren damit doppelt so schwer wie unsere größten Elefanten. Als Pflanzenfresser besaßen sie an ihrem Hornschnabel eine messerscharfe Schneidekante, mit der sie das härteste Pflanzenmaterial zerkleinern konnten. Sie lebten in Gebieten, wo es außer ausgedehnten Sümpfen und Seen auch höhergelegene Ebenen mit Beständen von Sequoien, Ginkgo, Eichen und anderen Pflanzen gab. In diesen Gebieten lebten sie einzeln oder in kleinen Gruppen. Diese schweren Saurier hatten relativ kurze, aber kräftige Extremitäten. Sie traten jedoch nur mit den Zehen auf. Die Ceratopsiden waren bis auf den Schild im Nackenbereich nicht geschützt. Sie waren nicht gepanzert, sondern besaßen ähnlich den Nashörnern dicke Haut, die in unregelmäßig gestaltete polygonale Felder geteilt war.

Claosaurus

Der Claosaurus ist ein Vorfahre der Hadro- oder Entenschnabelsaurier und lebte in der Oberkreide (vor 100 Millionen Jahren). Ihm fehlten noch die für die Hadrosaurier so typischen Knochenkämme und Knochenhohlkämme. Die vordere Kieferpartie war zahnlos, jedoch gab es im hinteren Kieferbereich Zahnbatterien mit breiten gezähnelten Kanten, die dem Pflanzenfresser zur Zerkleinerung der Nahrung ausreichten. Wie fossile Mageninhalte zweifelsfrei beweisen, fraßen die Hadrosaurier Kiefernnadeln, Zweigstücke, Samen und Früchte. Vermutlich legten sie Eier in der Nähe eines Gewässers, und die Jungtiere begaben sich dann schnell in die Sümpfe und waren dort vor vielen Feinden geschützt. Die Schwimmhäute an den Füßen und der abgeflachte Schwanz weisen auf ein Wasserleben hin. Die weichen Wasserpflanzen waren die ideale Nahrung für die Jungtiere. Mit zunehmender Größe verließen die Hadrosaurier das Wasser und in ihrer bipeden Fortbewegungsart konnten die ungeschützten Tiere vor ihren Feinden fliehen. Wie Mumien und Hautabdrücke der Hadrosaurier zeigen, besaßen die Hadrosaurier Schuppen mit einem Hornüberzug. Wenn sie auch die bipede Gangart vorzogen, bewegten sie sich gelegentlich auf allen vier Füßen, dies gilt insbesondere für Claosaurus, dessen Vorderextremitäten noch nicht so weit reduziert waren wie bei den späteren Hadrosauriern. Die Hadrosaurier lebten vor allem in Amerika. Dürftige Reste fand man jedoch auch in Europa und in Südostasien.

Elginia

Die Cyclopechse oder Elginia gehört zur Familie der Pareiasaurier und stammt aus dem Oberen Perm von Elgin (Schottland). Der Name Cyclopechse bezieht sich auf die unpaarige Öffnung im Scheitelbein des Schädels. Dort fand sich, wie bei den heutigen Eidechsen, ein Parietal- oder Scheitelauge, dessen Lichtempfindungen wohl hormonale Vorgänge steuerten. Diese etwas fremdartige aussehende Form lebte vor 230 Millionen Jahren. Elginia ist gekennzeichnet durch die in den hinteren Schädelrand eingeschobenen Knochenplatten, die ebenso wie die übrigen Deckknochen des Schädeldaches stachelartig verlängerte Knochenzapfen tragen (Protuberanzen). Die Elginia war ein kleiner (Kopflänge ca. 17 cm) pflanzenfressender Saurier.

Meiolania

Diese Schildkröte, Meiolania, lebte im älteren Quartär von Patagonien und Australien vor Rund einer Million Jahren. Die hier dargestellte Meiolania ziert als Schlußstein über einem Fenster des Aquariums die Fassade auf der Gartenseite und wurde, wie auch die anderen Schlußsteine aus einem Block Ettringer Tuffstein herausgehauen. Meiolania gehört zu den Amphichelydia, einer Gruppe, in welcher primitive Schildkröten zusammengefaßt werden. Meiolania ist der jüngste Vertreter der Amphichelydia und hat in geographischer Isolierung, im Süden Argentiniens und in Australien bis in die erdgeschichtlich jüngste Zeit überlebt.

Torosaurus

Der Torosaurus gehört zur Gruppe der Langschildceratopsiden. Der Kopf ähnelt mit seinen drei Hörnern dem Triceratops, jedoch sind beim Torosaurus die drei Hörner am Kopf nicht so mächtig. Dagegen ist jedoch sein Schild als Schutzpanzer wesentlich länger und reicht etwa bis zur Rumpfmitte. Wie groß diese Saurier waren, kann man ermessen, wenn man weiß, daß ihr Schädel allein drei Meter lang war. Der hier dargestellte Kopf eines Torosauriers mit seinem Nackenschild wurde von einem Steinmetz aus einem einzigen Stein rausgehauen und schmückt heute als sogenannter Schlußstein ein Aquariumfenster. Der Torosaurus lebte in der Kreidezeit vor etwa 100 Millionen Jahren und war ein reiner Pflanzenfresser, der durch seinen Panzer vor Feinden geschützt war.

Pterichtys

Der Pterichtys ist ein Panzerfisch und lebte im Mittleren Devon (vor 400 - 350 Millionen Jahren). Er wurde in Schottland und in der UdSSR gefunden. Seine Gesamtlänge betrug etwa 20 Zentimeter. Der Kopf und der Rumpf trugen einen zweiteiligen Panzer, der aus dicken symmetrisch angeordneten, relativ großen Knochenplatten von polygonaler Gestalt bestand. Auf der Unterseite des Kopfes befand sich die Maulöffnung. Zwei ruderförmige, mit Knochenplatten besetzte Extremitäten entsprechen der Brustflosse der Fische. Der hintere Körperabschnitt zeigt die typische Fischform und ist auch mit Schuppen bedeckt.

Geikia

Die Geikia oder Doggenechse ist ein plump gebauter Therapside, der im Oberen Perm (vor 230 Millionen Jahren) im Sandstein von Elgin, Schottland gefunden wurde. Die Therapsiden zeigen enge Beziehungen zu den Säugetieren deren unmittelbare Vorfahren sie möglicherweise sind. Von Geikia weiß man kaum etwas. Die Schädellänge betrug ca. 11 cm. Man nimmt an, daß die Lebensweise jener von Lystrosaurus ähnlich war, der wahrscheinlich wie unser Biber am Ufer lebte und dort grabend nach Nahrung suchte oder Wohnbauten anlegte. Es sei bemerkt, daß es sich bei der Darstellung von Geikia an der Fassade des Berliner Aquariums zweifellos um den einzigen Rekonstruktions - Versuch dieses merkwürdigen Sauriers handelte.

Triceratops II

Der gewaltige Kopf des Triceratops wacht über dem Eingang des Zoo-Aquariums auf der Gartenseite. Den drei stattlichen Hörnern verdankt dieser Saurier seinen Namen (Tri = drei, ceras = Horn). Zwei Hörner wuchsen aus dem Stirnbein, ein Horn saß auf dem Nasenbein. In den Körperproportionen erinnern diese Tiere an die Nashörner.

Ichthyosaurus

Der Ichthyosaurus quadriscissus ist eine versteinerte Fischechse, die im Jura (vor 180 Millionen Jahren) lebte. Das hier abgebildete Skelett eines Ichthyosaurus wurde aus einem Posidonienschiefer aus Holzmaden/teck, Württemberg, herausgearbeitet. Diese Schieferplatte mit den Maßen 2,38 x 72 ist ein kostbares Original und wurde vom Zoologischen Garten anläßlich der Aquariumsöffnung im Jahre 1913 erworben und hängt jetzt im Treppenaufgang des restaurierten Aquariums. Weitere Ichthyosaurier und auch andere Saurier sind in dem berühmten von Dr. Berhard Hauff gegründeten Museum in Holzmaden zu bewundern. Darunter befindet sich ein vier Meter langer Ichthyosaurus mit einem bereits geborenen Jungtier und 5 Embryonen im Mutterleib. Ein sehr schöner Beweis, daß diese Tiere lebende Jungtiere zur Welt brachten. Eine andere Art der Fortpflanzung wäre auch nicht vorstellbar. In Holzmaden sind Ichthyosaurier gefunden worden, bei denen der Umriß des Körpers erhalten war. So konnte auch das Vorhandensein einer Rückenflosse festgestellt werden. Auf diesen Skelettdarstellungen sieht man auch sehr deutlich, daß die Schwanzwirbel im hinteren Bereich abknicken und in die untere Schwanzflosse reichen (hypocerker Schwanz), während die Schwanzwirbel der Haie im oberen Schwanzlappen enden (heterocerker Schwanz). Interessant ist, daß man anhand der fossilen Mageninhalte die Speisekarte dieser Saurier rekonstruieren kann. So lebten sie Fischechsen von Kopffüßern (Cephalopoden), zu denen die Kalmare und Kraken gehören. Sicher verschmähten sie die Fische nicht, denn in den Kotballen (Koprolithen) wurden Schuppen und Stacheln von dem Fisch Pholidophorus gefunden.