Die kleine Fischkunde
Fische sind stets im Wasser lebende, kaltblütige Wirbeltiere. Sie besitzen Flossen und atmen stets, aber nicht immer ausschließlich, über Kiemen.
Ihre Haut ist meistens beschuppt und von einer dünnen, schleimigen Oberhaut (Epidermis) überzogen. Ihr Herz besteht nur aus einer Vorkammer und der

- Fische besitzen die unterschiedlichsten...

- ...Flossen was Größe und Form betrifft.

- Der Schlammspringer verlässt sehr häufig das Wasser und benutzt seine Brustflossen zum Laufen
Hauptkammer und führt nur venöses Blut.
Man unterteilt die Fische in zwei Klassen: die Knorpelfische mit Haien, Rochen und Seekatzen, sowie die Knochenfische mit dem überwiegenden Teil der über 24.000 Arten in 34 Ordnungen. Auf Fische trifft man in den Weiten der Meere von den Tropen bis zu den Polen, unterhalb der gut durchleuchteten Oberfläche bis hinab in die fast 11 Kilometer tiefen Meeresgräben, in denen vollständige Finsternis und immenser Druck herrschen. Außerdem finden wir Fische in den vielen Flüssen und Seen, selbst in unterirdischen Gewässern. Einige Arten können sogar im Süß- und Salzwasser gleichermaßen leben.
Ein Aal (Simenchelyes parasitica) fand sogar eine Nische im Herz großer Haie und der Eingeweidefisch (Fierasfer) lebt in Seewalzen.

- Der Doppelsattelfalterfisch stellt bei Erregung und Kampf seine Rückenflossenstachel auf
Durch die Körperform und durch Unterschiede in der Beflossung wird das äußere Erscheinungsbild der Fische deutlich geprägt. Die Flossen dienen zur Fortbewegung, zur Stabilisierung der Schwimmbewegungen und zur Steuerung. Sie werden allerdings häufig auch anders genutzt. Viele brutpflegende Arten fächeln z.B. ihren Eiern frisches Wasser zu, um so eine gute Sauerstoffversorgung zu gewährleisten. Auch dienen die Flossen zum Imponieren einem Gegner oder Geschlechtspartner gegenüber. Bei den männlichen Lebendgebärenden Zahnkarpfen hat sich die Afterflosse in ein Begattungsorgan, umgewandelt, das Gonopodium. Bei den männlichen Haien und Rochen sind die Bauchflossen zu einem paarigen Begattungsorgan, den Klasper, umgewandelt. Andere Fischarten wiederum benutzen ihre verstärkten Brustflossen dazu, um bei Trockenheit über Land zu wandern und neue Lebensräume aufzusuchen, wie z.B. einige Welse oder auch die Schlammspringer. Einige Fischarten, die die oberen Wasserschichten bewohnen, haben sehr große flügelartige Brustflossen. Mit ihnen können sie sich bei Gefahr oder zum Nahrungserwerb aus dem Wasser katapultieren.

- Die "Torpedoform" ist die häufigste
Fische, die in schnellfließenden Gewässern in Bodennähe leben, haben ihre Bauchflossen oft zu Saug- oder Haftscheiben umgewandelt. Man unterscheidet die Flossen in paarige- und unpaare Flossen, zu den unpaaren Flossen zählen die Schwanzflosse, die Afterflosse und die Rückenflosse. Die Rückenflosse kann manchmal für Verwirrung sorgen, denn sie ist bei einigen Arten auch in zwei, nicht einmal in Verbindung stehende Teilflossen unterteilt. Auch die bei einigen Fischgruppen auftretende Fettflosse, die zwischen Rücken- und Schwanzflosse sitzt, ist unpaar. Die paarigen Brust- und Bauchflossen sind jeweils rechts und links des Körpers symmetrisch angeordnet. Die Flossen werden durch die sogenannten Flossenstrahlen gestützt, bei den Knorpelfischen bestehen diese aus Horn, die Hart- und Weichstrahlen der Knochenfische besitzen dagegen eine knöcherne Struktur.
Fische bewegen sich gewöhnlich im Wasser fort, einem Medium das 800 mal dichter ist als die Luft. Die meisten Fische bewegen sich, indem sie eine schlängelnde Bewegung ihrer Schwanzflosse und der Körperoberfläche entlang der Bewegungsrichtung ausführen, wodurch ein vorantreibender Schub erzeugt wird.
Durch die Anpassung an besondere Umwelteinflüsse hat sich der Körperbau, wie Skelett, Muskulatur und Beflossung immer weiter verändert. Die am häufigsten anzutreffende Fischform ist aber der länglich, rundliche und schnelle Schwimmer. Dagegen besitzen langsamere Fische eine hochrückige, seitlich abgeflachte Körperform, wie z.B. der Diskus und Scalar. Fische die sich die meiste Zeit ihres Lebens in Bodennähe aufhalten, haben meist einen abgeflachten Körper mit einer geraden Bauchlinie. Andere Fische zeichnen sich durch eine vollkommen runde Form aus, wie z.B. der Kugelfisch.

- Die flache Körperform zeichnet meist langsam schwimmende bis stehende Fischarten aus, die im kurzen Abstand sehr wendig sind.
Unterteilt wird der Fischkörper in Kopf-, Kiemen-, Rumpf- und Schwanzregion. Anhand der Kopfform und der Maulöffnung kann man schon häufig die Fressgewohnheiten und die Lebensweise erkennen. Dabei wird in drei Grundformen unterschieden, bei einem oberständigem Maul handelt es sich um einen Bewohner der oberen Wasserschichten. Fische der mittleren Wasserschichten haben meist ein endständiges Maul, Fische, die in Bodennähe leben und am Boden ihre Nahrung suchen, haben ein unterständiges Maul.
Bei Nahrungsspezialisten haben sich im Hinblick auf ihre Ernährungsweise oft sehr skurrile Maulformen entwickelt. Das Maul kann sehr groß sein und zum Filtern von Plankton dienen wie z.B. beim Walhai oder dem Löffelstör. Einige Fische besitzen sogar regelrechte Schnäbel wie z.B. die Papagei-, Kugel- und Kofferfische. Die Polypenfresser unter den Meerwasserfischen haben meist ein pinzettenartiges Maul. Die Mäuler der Fische die sich in Bodennähe aufhalten und meist in starker Strömung leben, haben sich häufig zu einer Saugscheibe mit raspelförmigen Zähnen umgebildet.
Die Schwimmblase befähigt einen Fisch dazu im Wasser einen Schwebezustand zu erreichen und so Kraft und Energie beim Schwimmen zu sparen. Die Schwimmblase ist eine mit Gasen gefüllte Ausstülpung des Darmkanals. Durch den Gasaustausch kann der Fisch sein spezifisches Eigengewicht in allen Wasserschichten dem herrschenden Wasserdruck anpassen. Haie besitzen keine Schwimmblase. Die Haie, die nicht am Boden leben, sondern sich permanent bewegend in höheren Wasserschichten leben, erhalten ihren Auftrieb durch die wie Flugzeugflügel geformten Brustflossen. Da die Haie keinen Kiemendeckel besitzen, durch dessen Bewegung sie frisches Atemwasser zu den Kiemen pumpen könnten, lassen sie beim Schwimmen das Maul immer ein wenig geöffnet. Durch ihre eigene Schwimmbewegung drücken sie so sauerstoffreiches Wasser durch die Kiemen. Würden diese Haie nicht schwimmen, droht der Erstickungstod. Am Boden lebende Haie haben an dem Kiemenschlitzen Muskeln, die das Atemwasser durch die Kiemen pumpen.

- Ungewöhnliche Form, aber dennoch ein Fisch: Das Seepferdchen
Normlaer Weise nehmen Fische über die Kiemen Sauerstoff aus dem Wasser auf. Dabei wird das Wasser durch das Maul in eine der Kiemenkammern an jeder Seite des Maules gepresst, die Kiemen selbst bestehen aus fleischigen, blattförmigen stark durchbluteten Lamellen. Während das Wasser durch die Kiemen fließt, diffundiert Sauerstoff aus dem Wasser in Blutgefäße, zugleich wird Kohlendioxid aus dem Blut des Fisches ins Wasser abgegeben und fließt durch die abgehobenen Kiemendeckel wieder ab. Einige Fischgruppen besitzen zusätzlich zu ihren Kiemen noch andere Methoden, Sauerstoff dem Wasser zu entziehen. Neben den "echten Lungenatmer" (Lungenfische), wird z.B. von einigen Welsen, Schmerlen und sogar dem Zitteraal die Darmatmung angewandt. Dabei wird atmosphärische Luft über das Maul aufgenommen und durch den Darm gepresst. Bei den meisten dieser Fische ist der Enddarm sehr stark durchblutet, so dass hier dann der Gasaustausch stattfindet. Andere Fische wiederum haben ein ganz eigenes Atmungsorgan entwickelt, wie das Labyrinthorgan, welches vor allem bei den Kletterfischen, den Hechtköpfen und den Schlangenkopffischen auftritt. Einige Fische aber atmen auch über die Haut oder die stark durchblutete Mundhöhle.

- Neben der Kiemenatmung wendet der Zitteraal auch die Darmatmung an
Wichtiges Sinnesorgan ist bei Fischen das Seitenlinienorgan. Meistens ist es von außen gut sichtbar. Es verläuft auf beiden Seiten des Körpers, meist in einer geschwungenen Linie die hinter den Kiemen beginnt und an der Schwanzwurzel endet. Die Kanäle des Seitenlinienorgans sind mit einer gallertartigen Flüssigkeit gefüllt. Durch Poren in den Schuppenoberflächen stehen die Kanäle direkt mit dem Wasser in Verbindung. In den Kanälen befinden sich Nervenendigungen mit Haarzellen die direkt mit dem Gehirn verbunden sind. Sobald eine Strömung auf die Kanäle trifft geraten die Haarzellen, in Bewegung und melden die Druckveränderung sofort dem Gehirn. Über die Seitenlinienorgane werden auch Duftstoffe und dadurch auch Beute wahrgenommen. Mit der Hilfe dieses Organs können die Fische einen gewissen Abstand zu Hindernissen einhalten, so lässt sich erklären, wie z.B. der blinde Mexikanische Höhlensalmer überhaupt überleben kann.
Unter den Fischen finden wir vielfältigere Fortpflanzungsformen als in jeder anderen Tiergruppe. Bei den meisten Arten kommen die Fische wie üblich als Männchen oder als Weibchen zur Welt, andere Arten wiederum werden nur als Männchen oder als Weibchen geboren und wechseln erst später ihr Geschlecht. Einige Fische, wie die Lachse, laichen nur einmal in ihrem Leben. Andere laichen zu bestimmten Jahreszeiten wiederholt. Unter diesen finden wir ein breites Spektrum, angefangen von denen die ihre relativ kleine Brut versorgen, bis zu denjenigen, die gruppenweise in den Oberflächengewässern ablaichen und ihre zahlreichen Nachkommen der Wasserströmung und zahllosen Feinden überlassen. Einige Arten legen Millionen von Eiern (Mohnfisch sogar bis zu 28 Millionen pro Saison), andere Arten wiederum nur etwa ein Dutzend Eier.
